Digitale Infrastruktur: Wettbewerbsfähigkeit Hessens nachhaltig sichern

Eine leistungsfähige digitale Infrastruktur ist zentrale Voraussetzung für wirtschaftliches Wachstum, Innovation und Standortattraktivität. Hessen nimmt bereits heute eine herausragende Rolle ein: Mit dem Internetknoten DE-CIX und einer hohen Dichte an Rechenzentren gehört das Land zu den wichtigsten Digitalstandorten in Deutschland. Um diese Position zu sichern und auszubauen, sieht der Hessische Industrie- und Handelskammertag (HIHK) jedoch erheblichen Handlungsbedarf.
Der Glasfaserausbau muss deutlich beschleunigt werden. Zwar verfügen bereits rund 79 Prozent der Haushalte über schnelles Breitband, doch nur etwa 38 Prozent sind direkt an Gigabit-fähige Glasfaseranschlüsse angebunden. Gerade in ländlichen Regionen und an Gewerbestandorten bestehen weiterhin Versorgungslücken, die zügig geschlossen werden müssen. Entscheidend sind hier vor allem der Abbau regulatorischer Hürden, schnellere Genehmigungsverfahren sowie investitionsfreundliche Rahmenbedingungen. Perspektivisch ist eine vollständige Umstellung von Kupfer- auf Glasfasernetze bis Anfang der 2030er-Jahre erforderlich.
Auch Rechenzentren sind ein zentraler Baustein der digitalen Infrastruktur. Die Region FrankfurtRheinMain ist bereits heute ein global bedeutender Hub der Datenverarbeitung. Mit dem steigenden Bedarf durch digitale Anwendungen und Künstliche Intelligenz wächst jedoch der Druck auf Flächenverfügbarkeit und Energieversorgung. Der HIHK fordert daher eine strategische Weiterentwicklung der Rechenzentrumslandschaft. Kommunen und Land sollten gemeinsam geeignete Standorte entwickeln, Investitionen ermöglichen und unnötige Sonderauflagen vermeiden. Gleichzeitig bieten Rechenzentren Chancen, etwa durch die Nutzung von Abwärme für die kommunale Wärmeplanung.
Beim Mobilfunkausbau wurden Fortschritte erzielt, insbesondere beim 5G-Netz. Dennoch bestehen weiterhin Versorgungslücken – auch in urbanen Räumen und entlang wichtiger Verkehrswege. Künftig sollte stärker auf eine tatsächliche Flächenabdeckung statt allein auf die Haushaltsquote geachtet werden. Ziel muss eine lückenlose und leistungsfähige Mobilfunkversorgung sein, die auch Anwendungen wie mobiles Arbeiten oder autonomes Fahren zuverlässig unterstützt.
Ein entscheidender Erfolgsfaktor für die Umsetzung ist zudem eine leistungsfähige, digitale Verwaltung. Durchgängige E-Government-Lösungen und digitale Genehmigungsverfahren können Planungs- und Ausbauprozesse erheblich beschleunigen. Gleichzeitig müssen strukturelle Engpässe beseitigt werden, insbesondere der Fachkräftemangel im Tiefbau sowie in der Glasfasertechnik. Hier braucht es gezielte Qualifizierungsinitiativen und gemeinsame Anstrengungen von Wirtschaft, Staat und Bildungseinrichtungen.
Schließlich gewinnt die Resilienz der digitalen Infrastruktur zunehmend an Bedeutung. Angesichts wachsender Abhängigkeiten von digitalen Netzen sind robuste Systeme, Cybersicherheit und Notfallkonzepte unverzichtbar. Der HIHK fordert, diese Aspekte fest in der Digitalstrategie zu verankern und entsprechende Investitionen zu stärken.
Nur mit einer konsequent weiterentwickelten, leistungsfähigen und sicheren digitalen Infrastruktur kann Hessen seine Wettbewerbsfähigkeit langfristig sichern und die digitale Transformation erfolgreich gestalten.