Wirtschaft sieht Corona-Abwärtstrend auslaufen, erwartet aber langwierige Erholung

26. Juni 2020 - Für 41 Prozent der hessischen Unternehmen ist die aktuelle Geschäftslage schlecht. Gleichzeitig scheint der Abwärtstrend durch die Corona-Pandemie auszulaufen: Fast jeder zweite Betrieb erwartet für die kommenden 12 Monate eine gleichbleibende Geschäftslage, 27 Prozent erwarten eine Verbesserung. Das geht aus den Antworten von mehr als 900 hessischen Betrieben auf eine aktuelle Umfrage hervor, die der Hessische Industrie- und Handelskammertag (HIHK) in Wiesbaden veröffentlicht hat. 
Ein Drittel der hessischen Unternehmen rechnet mit einer Rückkehr zur Normalität ihrer Geschäfte im Jahresverlauf 2020. Im Mai hatte diese Einschätzung noch jedes zweite Unternehmen abgegeben. Fast vier von zehn Betrieben rechnen erst im Verlaufe des Jahres 2021 mit einer Normalisierung. Die Beschäftigungspläne der hessischen Unternehmen zeigen sich vergleichsweise robust gegen die Corona-Pandemie: Mehr als zwei Drittel halten an ihren Beschäftigungsplänen fest.
„Es verdichten sich die Anzeichen, dass die Wirtschaft die Talsohle der Krise erreicht hat. Viele Betriebe rechnen allerdings damit, dass die Erholung vom Corona-Schock länger dauert als ursprünglich gedacht. Darunter leiden zunehmend die Investitionsabsichten der Unternehmen. Hoffnung macht der Blick auf die Beschäftigungspläne: Sie stabilisieren sich in vielen Bereichen, auch wegen des Instruments der Kurzarbeit.“, sagte Robert Lippmann, Geschäftsführer des Hessischen Industrie- und Handelskammertages.
Die Pandemie wirkt sich weiterhin stark auf die Geschäfte der hessischen Unternehmen aus. 60 Prozent verzeichnen weniger Nachfrage nach ihren Produkten und Dienstleistungen. 44 Prozent kürzen ihre Investitionen, 38 Prozent machen wegbrechende Aufträge zu schaffen. 37 Prozent der Betriebe in Hessen rechnen für dieses Jahr wegen der Corona-Pandemie mit einem Umsatzrückgang von mehr als 25 Prozent. 
„Die derzeitige Lage ist fragil. Das zeigen einerseits Investitionskürzungen der Unternehmen, andererseits regionale Ausbrüche des Corona-Virus. Die Politik sollte in dieser Situation dringend auf unnötige Belastungen für die Wirtschaft verzichten. Gesetzgebungsvorhaben wie das Lieferkettengesetz oder Unternehmensstrafrecht sollte die Politik kritisch hinterfragen. Noch mehr Belastungen kann die mittelständische Wirtschaft kaum schultern.“, warnt Lippmann. „Hessens Unternehmen brauchen jetzt zielgenaue Impulse, die ihre Erholung begünstigen und den Wirtschaftsstandort insgesamt voranbringen. Zusätzliche Bürokratie hat sich noch nie als Konjunkturimpuls erwiesen.“, so Lippmann abschließend.
Hintergrund: Thema der Umfrage: Aktuelle und erwartete Auswirkungen des Corona-Virus COVID-19 auf die Unternehmen in Hessen. Befragungszeitraum: 22. bis 26. Juni 2020. Befragte: Mitgliedsunternehmen der hessischen Industrie- und Handelskammern (IHKs). Antwortende: 927 Unternehmen.