IHK-Verkehrsumfrage
in Hessen 2019

Hessens Infrastruktur bleibt Baustelle


21. August 2019
„Ohne massive Investitionen in Hessens Straßen, Schienen und eine Stärkung des Flughafens ist der Erfolg des Wirtschaftsstandortes Hessen bedroht. Schließlich hängen die funktionierende Wirtschaft und der Wohlstand in Hessen besonders stark von der guten Erreichbarkeit in Europa und der Welt ab“, sagt Eberhard Flammer, Präsident des Hessischen Industrie- und Handelskammertages (HIHK), anlässlich der Vorstellung der Ergebnisse der jüngsten IHK-Verkehrsumfrage. 
„Auch der Ausgleich von Stadt und Land ist eine Frage des Infrastrukturausbaus. Gleichzeitig kann eine intelligente Infrastrukturpolitik einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Umso gewichtiger ist der Handlungsbedarf, den Hessens Wirtschaft signalisiert.“
Laut IHK-Verkehrsumfrage, der Antworten von rund 2.500 Unternehmen aus ganz Hessen zugrunde liegen, messen 78 Prozent der Firmen einer leistungsfähigen Verkehrsinfrastruktur eine hohe bis sehr hohe Bedeutung für das eigenen Unternehmen bei. Gleichzeitig fühlen sich vier von fünf Unternehmen von Brücken- und Straßensperrungen stark bis sehr stark beeinträchtigt.
„Ich bin froh über jede funktionierende Baustelle, aber die Menge der Beeinträchtigungen für den Wirtschaftsverkehr zeigt auch: Aufgeschobene Investitionen rächen sich“, kommentiert Flammer die Dichte der Baustellen in Hessen. 
Es gelte jetzt, den Straßenbauetat an den bestehenden Reparaturbedarf und die nötigen Kapazitätsausweitungen anzupassen. Das aktuelle Rekordniveau der Infrastrukturinvestitionen bleibe leider noch hinter den tatsächlichen Bedarfen zurück; auch im Falle einer schwächeren Konjunktur dürfte nicht erneut an der falschen Stelle gespart werden.
Über die Hälfte der Unternehmen hatte in der Befragung angegeben, im Straßenverkehr durch Schlaglöcher stark bis sehr stark beeinträchtigt zu sein.
Flammer betont: „Wirtschaftsverkehr benötigt ein intaktes Straßennetz. Schlaglöcher behindern nicht nur den Verkehr, sie verursachen auch große Schäden an transportierten Waren.“
Beim Schienenverkehr sind dagegen Unzuverlässigkeit und Verspätungen das Top-Thema für Hessens Betriebe. 
„Die Schiene sollte das Rückgrat für den Personenverkehr in Hessen darstellen – und auch Kapazitäten für den Transport bestimmter Güter bieten. Die Ergebnisse unserer Umfrage zeigen deutlich, dass es um das Schienennetz nicht gut bestellt ist. Derzeit können keine zusätzlichen Verkehre auf die Schiene gebracht werden, einfach weil die bestehenden Fahrwege überlastet sind“, fasst Flammer die Situation zusammen. 
Einer Ausweitung der Kapazitäten müsse daher oberste Priorität eingeräumt werden.
Die Ergebnisse der Umfrage zeigen zudem, wie eng die hessische Wirtschaft mit dem Luftverkehr verbunden ist. Wenn es zu einer Ausweitung des Nachtflugverbotes am Flughafen Frankfurt käme, müssten viele Unternehmen in Hessen Warenströme neu konzeptionieren. Jedes achte Unternehmen, das den Flughafen nutzt, würde zu Flughäfen mit 24-Stunden Betrieb wechseln. 
„Der Flughafen Frankfurt/Main muss als zentrales deutsches Luftverkehrsdrehkreuz weiterentwickelt und in seiner Wettbewerbsfähigkeit gestärkt werden. Eine Ausweitung des Nachtflugverbotes würde solche Bemühungen konterkarieren und würde die Attraktivität des Standortes deutlich senken“, betonte Flammer.
Angesichts steigender Mobilitätsbedürfnisse und wachsender Engpässe im Straßen- und Schienenverkehr fordert der HIHK vom Land eine zukunftsorientierte Verkehrspolitik für die Verkehrsträger Straße, Schiene und Luftverkehr.
Forderungen des HIHK:
  • Investitionen in den Verkehrsträger Straße weiter steigern
  • Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren
  • Stärkung der Personaldecke von Hessen Mobil
  • Aus- und Neubau von Lkw-Stellplätzen
  • Ausbau der Hauptschienenstrecken und des Schienenknotens Frankfurt/Rhein-Main
  • Erhöhung der Planungskapazitäten für den Bau von Schienenwegen
  • Einführung von neuen ÖPNV-Konzepten im ländlichen Raum
  • Aufbau von Terminalinfrastruktur für den kombinierten Verkehr
  • Weiterentwicklung des Flughafens Frankfurt/Main als Luftverkehrsdrehkreuz
  • Anbindung des Terminal 3 an die Schieneninfrastruktur

Hintergrund:
Die IHK-Verkehrsumfrage wurde im Frühjahr 2019 durchgeführt. An ihr haben sich rund 2.500 hessische Unternehmen unterschiedlichster Branchen beteiligt.