IHKs: Wirtschaft braucht Fläche

Diskussion um Flächenbedarfe in Hessen


18. September 2018 - Vor dem Hintergrund der laufenden Diskussion um den Flächenbedarf des Wohnungsbaus fordert der Hessische Industrie- und Handelskammertag (HIHK e.V.) Land und Kommunen auf, auch ausreichend Flächen auch für Unternehmen zur Verfügung zu stellen und die Baulandoffensive Hessen in Richtung Gewerbe- und Industrieflächen weiterzuentwickeln.
Im Rahmen einer Pressekonferenz zum Thema „Wirtschaft braucht Fläche“ betonte Kirsten Schoder-Steinmüller, Unternehmerin aus Langen und Präsidentin der IHK Offenbach am Main, dass die aktuelle Wohnraumdiskussion auch aus Sicht der Wirtschaft richtig und wichtig sei: „Eine gute Wohnraumversorgung hilft in Zeiten des Fachkräftemangels auch den Unternehmen“. Allerdings müsse bei der Diskussion auch an Gewerbe- und Industrieflächen gedacht werden. „Eine einseitige Ausweisung von neuen Wohngebieten droht den Raum zur Entwicklung bestehender Unternehmen sowie zur Ansiedlung neuer Unternehmen in Hessen erheblich zu reduzieren.“
Aus Sicht der Wirtschaft ist daher eine strategische Flächenplanung auf kommunaler Ebene geboten, die Flächenpotenziale für Wohnen und Gewerbe identifiziert und sukzessive nutzt. „Mit Blick auf den Ballungsraum FrankfurtRheinMain müssen wir feststellen, dass in den letzten zehn Jahren viele Flächen in den Regionalplänen und im Regionalen Flächennutzungsplan nicht entwickelt worden seien“, so Schoder-Steinmüller. Schwierige Eigentumsverhältnisse, eine schlechte Erschließung und nicht zuletzt auch fehlender politischer Wille blockierten gegenwärtig viele dieser Flächen Ihre Forderung: „Um Betriebsverlagerungen und einen Rückgang von Investitionen zu verhindern, müssen für die hessischen Unternehmen ausreichend Flächen am richtigen Standort und mit den passenden Rahmenbedingungen zur Verfügung stehen. Dazu müssen die bestehenden Aktivierungshemmnisse identifiziert und gezielt beseitigt werden.“
Konkret fordern die hessischen IHKs das Land Hessen auf, bei der Baulandoffensive Hessen nicht nur das Thema Wohnnutzung zu berücksichtigen. „Die Baulandoffensive Hessen ist ein guter Ansatz, Kommunen bei der Flächenausweisung zu unterstützen. Mit Blick auf den Flächenbedarf der Wirtschaft sollte das Instrument zeitnah zu einer Initiative für Gewerbe- und Industrieflächen weiterentwickelt werden“, so der Appell von Schoder-Steinmüller. Kommunen könnten zudem durch Beratungsangebote und die Förderung von Flächenentwicklungskonzepten unterstützt werden.
Wie problematisch die Situation für Unternehmen sein kann, zeige sich am konkreten Fall der Spedition FERMONT aus Frankfurt. Die Geschäftsführerin Susanne von Verschuer erläutert: „Auch wir werden nach jahrelangen Verhandlungen unseren Standort wegen Wohnungsbau in der Nachbarschaft aufgeben. Die Stadt Frankfurt tut sich leider sehr schwer. adäquate Ersatzflächen anzubieten. Dabei ist eine langfristige Planung und die Ausweisung von Industrie- und Gewerbeersatzflächen mit leistungsfähiger Anbindung zwingend erforderlich, um für Unternehmen und ihre Mitarbeiter den Standort und die Arbeitsplätze in der Metropolregion zu sichern.“
Im Fall des Unternehmens Hofacker aus Gelnhausen musste der Betrieb aus eigenen Mitteln Schallschutzmaßnahmen ergreifen, um die sukzessive heranrückende Wohnbebauung vor Lärm zu schützen. „Die Konfliktsituation hätte durch eine strategische Flächenplanung verhindert werden können, die vorrausschauend Trends und Bedarfe berücksichtigt und potentielle Konflikte aufzeigt“ so Dr. Thomas Hofacker.