Corona-Krise: Gastgewerbe und Reisewirtschaft in Hessen brauchen Öffnungsperspektive

23. April 2020 - Mehr als 90 Prozent der hessischen Unternehmen aus Gastgewerbe und Reisewirtschaft haben die Corona-Soforthilfe beantragt oder planen dies. Jeder zweite befragte Betrieb hat bislang noch keine Auszahlung der Soforthilfe erhalten. Das geht aus einer aktuellen Umfrage des Hessischen Industrie- und Handelskammertages (HIHK) hervor, die am Donnerstag in Wiesbaden veröffentlicht wurde. 
Anlässlich der Umfrage und der jüngsten Beschlüsse des Koalitionsausschusses auf Bundesebene über einen ermäßigten Mehrwertsteuersatz für Gastronomiebetriebe betonen der Hotel- und Gastronomieverband DEHOGA Hessen und der HIHK gemeinsam, wie wichtig konkrete Unterstützungsleistungen und eine Öffnungsperspektive für die Branche sind.
„Die Soforthilfe wird vom Gastgewerbe und der Reisewirtschaft massiv in Anspruch genommen. Knapp 60 Prozent der Betriebe nutzen oder planen zudem auch mit anderen Unterstützungsmaßnahmen wie dem Kurzarbeitergeld“, sagt Eberhard Flammer, Präsident des Hessischen Industrie- und Handelskammertages, mit Blick auf die IHK-Umfrage. „Das zeigt, in welcher schwierigen Situation die Betriebe sind – und wie wichtig die Unterstützung der öffentlichen Hand ist. Aber: Die Programme haben alle nur Überbrückungscharakter und sind teilweise auch noch gar nicht in den Betrieben angekommen. Und der Staat kann nicht auf Dauer einspringen.  Auch deshalb ist es so wichtig, dass die betroffenen Unternehmen eine Öffnungsperspektive erhalten.“, so Flammer. Erst dann könne auch der reduzierte Mehrwertsteuersatz für Speisen in der Gastronomie wirken. 
„Die Landespolitik hat bisher klug und abwägend entschieden. Im nächsten Schritt sollte sie den Betroffenen einen Plan zur Wiederaufnahme ihrer Geschäftstätigkeit aufzeigen. Wer die Einhaltung strenger Auflagen zu Hygiene, Kundendichte und Abständen erfüllt, sollte mittelfristig auch wieder aktiv wirtschaften dürfen.“, so Flammer. „Ob absehbar zumindest Teilöffnungen möglich werden, ist für die Zukunft vieler Betriebe entscheidend.“
Gerald Kink, Präsident des Hotel- und Gastronomieverbandes DEHOGA Hessen sagt: „Die Ergebnisse der IHK-Umfrage zu den Corona-Soforthilfen für hessische Unternehmen machen deutlich, dass das Gastgewerbe die hauptbetroffene Branche in der Corona-Krise ist. ‚First in – last out‘: Das bedeutet: Schon weit vor dem 11. März 2020 sind die Umsätze in Hotellerie und Gastronomie massiv eingebrochen und nach jetzigem Stand wird es für die Branche des sozialen Miteinanders am längsten dauern, wieder einen annähernd stabilen Geschäftsbetrieb aufnehmen zu können.“
„Umso mehr kommt es nun darauf an, weitere Hilfen in Form nicht zurück zahlbarer Zuschüsse schnell auf den Weg zu bringen, um Arbeitsplätze und Unternehmen zu sichern und damit eine Säule des hessischen Wirtschafts- und Gesellschaftslebens vor dem Aus zu retten.“, so Kink.
Gaststätten, Hotels und andere Gewerbe dürfen derzeit zwar Speisen und Getränke nur zur Abholung und Lieferung anbieten, dies sei für die meisten Betriebe aber kaum kostendeckend zu realisieren, betonen Flammer und Kink abschließend.
Hintergrund zur Umfrage
Thema: Antragsprozess und Nutzung der Soforthilfe sowie anderer Unterstützungsmaßnahmen durch hessische Betriebe.
Befragungszeitraum: 14. bis 21. April 2020
Befragte: Mitgliedsunternehmen der hessischen Industrie- und Handelskammern (IHKs).
Datenstand: 22. April 2020, 10:00 Uhr
Antwortende: 918 Unternehmen, hier: Teilauswertung der 177 antwortenden Unternehmen aus dem Gastgewerbe und der Reisewirtschaft
Infografik 1: Soforthilfe: Antragstellung und Auszahlung im Gastgewerbe und in der Reisewirtschaft
Infografik 2: Andere Finanzierungshilfen: Nutzung im Gastgewerbe und in der Reisewirtschaft