Digitalisierung an Berufsschulen

HIHK-Umfrage belegt hohen Investitionsbedarf bei heterogenen Anforderungen


20. August 2019 – Der Investitionsbedarf in die Digitalisierung an Beruflichen Schulen in Hessen ist groß, die konkreten Anforderungen der Schulen an Ausstattung und Unterstützung sind sehr heterogen, der Informations- und Beratungsbedarf zugleich sehr hoch. Das belegt eine aktuelle Befragung des Hessischen Industrie- und Handelskammertages (HIHK). Befragt wurden alle Beruflichen Schulen in Hessen zum Status quo und ihren Bedarfen im Zusammenhang mit der Digitalisierung.
Anlass der Befragung sind die von Bund und Land geplanten Investitionen: rund 500 Millionen Euro werden in dieser Legislaturperiode die Digitalisierung der hessischen Bildungslandschaft investiert. Die Mittel kommen aus dem DigitalPakt Schule des Bundes sowie dem geplanten ergänzenden Programm „Hessischer Digitalpakt Bildung“.
„Die Mittel des Bundes und des Landes sollten zunächst prioritär in die Berufsschulen fließen - hier werden sie dringend gebraucht.“ sagt Dr. Brigitte Scheuerle, Federführerin Berufliche Bildung beim HIHK, anlässlich der Veröffentlichung der Ergebnisse.  „Berufsschülerinnen und -schüler treffen  schon jetzt als Auszubildende auf die von der Digitalisierung bewirkten Veränderungen in der Arbeitswelt. Darauf muss die Berufsschule sie vorbereiten können.
Konkret sollen sich die den Schulträgern zugeteilten Finanzmittel zwar weiter an der Anzahl der Schülerinnen und Schülern orientieren, durch entsprechende Gewichtung sollten berufliche Schulen aber verbindlich höhere Zuweisungen sowohl aus den Bundes- als auch den Landesmitteln erhalten. 
„Eine über alle Schulformen undifferenzierte Verteilung der Finanzmittel nach Köpfen halten wir für wenig zielführend“, so Dr. Scheuerle.
Dass diese Investitionen – insbesondere in die Beruflichen Schulen – dringend nötig sind, belege auch die aktuelle HIHK-Umfrage: Lediglich 17 Prozent der Berufsschulen sind mit ihrer aktuellen technischen Infrastruktur insgesamt zufrieden. 83 Prozent sehen teilweise deutlichen Verbesserungsbedarf. Besonders kritisch dabei: ein Drittel der Berufsschulen hat nach eigenen Angaben eine schlechte oder gar keine Internetanbindung; mehr als die Hälfte hat eine schlechte oder gar keine WLAN-Infrastruktur.
„Eine funktionierende Infrastruktur bildet neben engagierten und qualifizierten Lehrkräften die Basis für die Anwendung digitaler Lern-, Lehr- und Kommunikationsmedien“, betont Dr. Scheuerle die Bedeutung der Infrastruktur.
Der Ausstattungsbedarf der Berufsschulen fällt erwartungsgemäß sehr heterogen aus. Mehr als die Hälfte der Berufsschulen benötigt neue Maschinen und Geräte. Die Anforderungen reichen dabei von PCs und 3D-Druckern bis hin zu Industrierobotern und Maschinen mit Steuerungs- und Automatisierungstechnik.
„Um Beschäftigungsfähigkeit und berufliche Mobilität sicherzustellen, sind IHK-Ausbildungsberufe bundesweit einheitlich. Das Land ist daher gefordert, mit dem  Digitalpakt für gleiche Rahmenbedingungen bei den Berufsschulen zu sorgen“, so Dr. Scheuerle. Das Land solle den Schulen demnach mit Standards und Empfehlungen bei der Auswahl geeigneter Software und Geräte helfen.
Konzeptionell sind die Berufsschulen laut HIHK-Umfrage schon recht weit: fast alle hessischen Berufsschulen haben bereits ein eigenes Konzepts zur Digitalisierung erarbeitet oder zumindest mit dessen Erarbeitung begonnen.
Bei der Erstellung digitaler Lehrinhalte wünschen sich dagegen zwei Drittel der Schulen externe Unterstützung. Rund die Hälfte der Schulen möchte auf einen Pool digitalisierter Lehrinhalte zurückgreifen können, 70 Prozent möchten die Inhalte selbst erarbeiten, 62 Prozent möchten dies gemeinsam mit Ausbildungsunternehmen tun.
„Der Umfang der Rückmeldungen aus den Berufsschulen zeigt: Das Thema brennt den Schulleitern unter den Nägeln. Eine kluge Umsetzung des Digitalpakts kann die Duale Bildung deutlich voran bringen. Dabei gilt: Der Aufwand für Berufsschulen muss auf das Nötigste reduziert werden, damit diese ihrer Kernaufgabe ‚guten Unterricht machen‘ auch künftig nachkommen können“, so Dr. Scheuerle.
Hintergrund:
Im Mai 2019 wurden alle hessischen Berufsschulen anlässlich des DigitalPaktes Schule sowie des Programms „Digitale Schule Hessen“ befragt. An der Umfrage haben sich zwei Drittel der Schulen beteiligt. Die Ergebnisse im Einzelnen sind hier veröffentlicht.