Wirtschaftliche Erholung braucht wettbewerbsfähigen Luftverkehr
DIHK-Maßnahmenkatalog zur Stärkung des Luftfahrtstandorts Deutschland
2. Februar 2026
Trotz seiner zentralen Lage in Europa hat der Luftverkehrsstandort Deutschland seit dem Ende der Corona-Pandemie im Vergleich zur internationalen Konkurrenz deutlich an Boden verloren. Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) hat daher einen Forderungskatalog zur Stärkung des Luftfahrtstandortes Deutschland beschlossen.
Ulrich Caspar, Mitglied des DIHK-Präsidiums und Vizepräsident des Hessischen Industrie- und Handelskammertages (HIHK), hebt die Bedeutung des Luftverkehrs für das Land Hessen hervor: „Von allen deutschen Bundesländern ist Hessen am dichtesten mit dem Ausland verflochten. Hier konzentrieren sich fast ein Viertel aller ausländischen Direktinvestitionsbestände in der Bundesrepublik. Insbesondere international tätige Unternehmen entscheiden sich bewusst für Hessen als Wirtschaftsstandort, weil sie hier weltweite Direktverbindungen per Luftverkehr finden, die schnelle und verlässliche Warenströme ermöglichen. Zudem werden dadurch persönliche Kontakte mit internationalen Geschäftspartnern vereinfacht. Das sind ganz wesentliche Gründe für unseren wirtschaftlichen Wohlstand – nicht allein in Hessen, sondern in ganz Deutschland.“
Der Luftverkehrsstandort Deutschland ist jedoch durch die Rahmenbedingungen und politischen Entscheidungen der letzten Jahre geschwächt aus der Pandemie hervor gegangen. So haben sich zwischen 2019 und 2025 die staatlichen Standortkosten unter anderem in Form der Luftverkehrsteuer und Luftsicherheitsgebühren verdoppelt. In der Folge bleibt die Erholung des Luftverkehrs in Deutschland spürbar hinter den anderen europäischen Ländern zurück. Die Folgen treffen nicht nur die Luftfahrtbranche selbst, sondern die gesamte Wirtschaft. Industrieunternehmen sorgen sich um ihre Lieferketten und auch viele andere Wirtschaftszweige wie die Tourismus- und die Kulturbranche sowie die Messestandorte spüren die negativen Auswirkungen einer schlechteren Verbindungsqualität auf die Erreichbarkeit für ihre Gäste.
Die DIHK hat die wichtigsten Stellschrauben in einem Positionspapier mit neun konkreten Forderungen zusammengefasst. Hierzu gehören unter anderem die vollständige Abschaffung der Luftverkehrsteuer, die staatliche Übernahme von Sicherheitskosten, der Verzicht auf eine Kerosinsteuer und faire Wettbewerbsbedingungen in Luftverkehrsabkommen.
„Die hessische Landesregierung hat mit ihrer Bundesratsinitiative zur Förderung des Luftverkehrs gezeigt, dass sie die strategische Bedeutung des Luftverkehrs für Wachstum, Beschäftigung und Wertschöpfung in Hessen und darüber hinaus erkannt hat. Die Bundesregierung hat diesen Impuls im Koalitionsvertrag aufgegriffen und sollte ihren Ankündigungen nun konkrete Taten folgen lassen. Die Rücknahme der letzten Erhöhung der Luftverkehrsteuer ist ein erster Schritt in die richtige Richtung, dem die weiteren Schritte aus unserem Maßnahmenkatalog folgen sollten. Der Bedarf der Wirtschaft ist groß, den Luftverkehrsstandort Deutschland wieder international wettbewerbsfähig zu machen“, so Caspar abschließend.
Die Maßnahmen aus dem DIHK-Papier in Kürze
Für die deutsche Wirtschaft ist ein leistungsstarker Luftverkehr ein wichtiger Standortfaktor. Der Luftverkehrsstandort Deutschland fällt aber im internationalen Wettbewerb zurück. Um den Luftverkehr in Deutschland wieder zu stärken, sollte die Politik aktiv werden.
Ansatzpunkte hierfür sind:
- Abschaffung der Luftverkehrsteuer.
- Effizienzsteigerung im Bereich der Luftsicherheit und Übernahme von Kosten durch den Staat.
- Überlegungen zur Einführung einer Kerosinsteuer für den gewerblichen Luftverkehr zu den Akten legen.
- Sicherstellung von Konnektivität für alle Marktteilnehmer durch faire Wettbewerbsbedingungen in Luftverkehrsabkommen.
- Mit pragmatischen Lösungen die grenzpolizeiliche Abfertigung von Nicht-Schengen-Flügen auf kleinen Flugplätzen weiter gewährleisten.
- Schaffung geeigneter Rahmenbedingungen für die Umstellung auf Kerosin ohne CO2-Emissionen fossilen Ursprungs (SAF) und Nutzung von Kompensationsmaßnahmen in der Übergangsphase.
- Prüfung der Anpassung von Nachtflugbeschränkungen, die durch die Maßnahmen der Flughäfen zur Verbesserung des Lärmschutzes und den Einsatz lärmärmerer Flugzeuge möglich wären, sowie Schaffung von Kulanzregelungen bei geringfügigen Verspätungen.
- Erhalt der dezentralen Luftverkehrsinfrastruktur durch Erschließung von Effizienzpotenzialen und gemeinsame Erarbeitung von Perspektiven bei wirtschaftlichen Problemen sowie Erhalt der Anlagen für die Individualluftfahrt auch bei Einstellung des Linienflugverkehrs.
- Die Kosten- und Gebührenordnungen der Flugsicherungsdienste sollten Effizienzanreize enthalten und wettbewerbsneutral gestaltet werden.
Hier finden Sie das DIHK-Papier zum Download
