Konjunktur in Hessen: Jahresbeginn 2026
Leichte Aufhellung, kein Durchbruch.
12. Februar 2026
Die hessische Wirtschaft startet mit verhaltenem Optimismus ins Jahr 2026. Der Geschäftsklimaindex steigt von 92 auf 95 Punkte, bleibt damit aber unter der Wachstumsschwelle von 100 Punkten. Die leichte Verbesserung reiht sich in ein bereits seit Längerem anhaltendes Auf‑und‑Ab der Stimmung ein: Auf eine leichte Besserung folgt in der nächsten Befragung häufig wieder ein Rücksetzer – ein sich wiederholendes Muster ohne durchgehenden Trend.
Der Saldo der aktuellen Lage verbessert sich leicht von minus drei auf null Punkte. Die Erwartungen bleiben jedoch negativ (minus 12 auf minus 10). Gegenüber der Herbstumfrage zeigt sich in den meisten Branchen eine leichte Stimmungsaufhellung.
Das Branchenbild: Industrie weiter unter Druck, Bau und Handel leicht besser, Dienstleistungen stabil
Die hier betrachteten Branchen weisen im Vergleich zur letzten Umfrage überwiegend eine leichte Stimmungsaufhellung auf.
- Die Unternehmen der Industrie bewerten sowohl ihre aktuelle als auch erwartete Geschäftslage besser als im Herbst 2025. Der Geschäftsklimaindex steigt von 84 auf 88 Punkte. Ebenso verbessert sich der Lagesaldo. Von zuletzt minus 18 auf nun minus 14 Punkte. Der Saldo der Geschäftserwartungen bessert sich von minus 13 auf minus elf Punkte. Dennoch liegen beide Salden weiterhin deutlich im negativen Bereich.
- Die Baubranche schätzt die Situation minimal besser ein. Der Geschäftsklimaindex steigt von 98 auf 99 Punkte. Der Saldo der Geschäftslage verbessert sich von acht auf neun Punkte. Ebenso verbessern sich die Erwartungen an die kommenden Monate um einen Punkt auf nun minus zehn Punkte.
- Auch in der Handelsbranche zeigt sich ein positiver Trend. Der Geschäftsklimaindex verbessert sich von 80 auf 83 Punkte, bleibt aber auf niedrigem Niveau.
- Die Unternehmen der Dienstleistungsbranche zeigen keine Veränderungen zur Herbstbefragung 2025 Der Geschäftsklimaindex bleibt bei 103 Punkten.
Investitionen, Beschäftigung, Außenhandel: Vorsicht überwiegt
Die im Schnitt leicht positiven Entwicklungen wirken sich auf Investitionsplanungen, Beschäftigungsabsichten und Exporterwartungen unterschiedlich aus. So verbleibt der Investitionssaldo bei minus neun Punkten. Die Beschäftigungsabsichten verbessern sich minimal von minus elf auf minus zehn Punkte. Der Exportsaldo steigt deutlich von minus 16 auf minus sieben Punkte, verbleibt aber weiter im negativen Bereich.
Risikoeinschätzung bleibt unverändert
An der Reihenfolge der Risikobewertung für die wirtschaftliche Entwicklung ändert sich erneut nichts. Das Risiko der wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen verbleibt mit 61 Prozent unverändert auf Platz eins. Darauf folgt die Inlandsnachfrage mit 59 Prozent. Die Arbeitskosten besetzen mit 54 Prozent den dritten Platz und liegen damit erneut vor dem Risiko „Fachkräftemangel“ (39 Prozent).
„Die hessische Wirtschaft braucht jetzt eine investitionsfreundlichere Politik. Mit der angekündigten Modernisierung des Vergaberechts und dem „Zukunftsnetz Hessen“ hat das Hessische Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr, Wohnen und ländlichen Raum zwei wichtige Impulse gesetzt, die hoffentlich schnell die gewünschten Effekte bringt. Denn Hessens Wirtschaft braucht Verfahren, die wirklich schneller, digitaler und rechtssicher werden. Gleichzeitig müssen Energiepreise kalkulierbarer und die Standortbedingungen verlässlicher werden, sonst kann der Investitionsmotor nur gedrosselt laufen“, sagt Frank Aletter, Geschäftsführer des Hessischen Industrie- und Handelskammertags (HIHK) e.V.
Hintergrund: Der Hessische Industrie‑ und Handelskammertag informiert dreimal jährlich über Lage und Erwartungen der hessischen Unternehmen. Basis sind die Angaben von rund 2.400 Mitgliedsunternehmen aus Industrie, Bau, Handel und Dienstleistungen, die einen repräsentativen Querschnitt der hessischen Wirtschaft abbilden. Die Befragung fand im Zeitraum vom 7. bis 26. Januar 2026 statt. Der ausführliche HIHK‑Konjunkturbericht mit Detailauswertungen erscheint Ende Februar.
