IHK-Energiewende-Barometer 2026

Hohe Energiekosten belasten den Standort Hessen

Wiesbaden, 23. Oktober 2026
Die Stimmung in der hessischen Wirtschaft bleibt von Skepsis und Verunsicherung geprägt. Das zeigt das aktuelle Energiewende-Barometer der IHK-Organisation mit der Auswertung für Hessen. Der Barometerwert liegt branchenübergreifend bei minus 9,6 Punkten. Besonders kritisch fällt die Bewertung in der Industrie aus, die mit minus 25 Punkten deutlich im negativen Bereich liegt. Viele Unternehmen verbinden die Energiewende derzeit stärker mit Risiken als mit Chancen für ihre Wettbewerbsfähigkeit.
Im Mittelpunkt des IHK-Energiewende-Barometers steht die Frage, wie die Unternehmen die Auswirkungen der Energiewende auf ihre eigene Wettbewerbsfähigkeit beurteilen. Nahezu jedes zweite hessische Industrie- und Bauunternehmen (jeweils 47,4 Prozent) bewertet die Auswirkungen der Energiewende auf die eigene Wettbewerbsfähigkeit als negativ oder sehr negativ.
Dazu sagt HIHK-Vizepräsident Dr. Felix Heusler: „Die Ergebnisse sind ein Alarmsignal für den Wirtschaftsstandort Hessen. Hohe Energiepreise, wachsende Bürokratie und langwierige Planungs- und Genehmigungsverfahren treffen Industrie und Bau besonders hart und gefährden ihre Wettbewerbsfähigkeit.“
Die hessischen Unternehmen waren in den vergangenen zwölf Monaten erneut mit deutlichen Preissteigerungen konfrontiert. 54,6 Prozent der Betriebe berichten von höheren Strompreisen in den letzten 12 Monaten und 67,7 Prozent von gestiegenen Kosten für Gas, Fernwärme oder Heizöl. Besonders dramatisch fällt die Entwicklung im Transportbereich aus, wo 87,1 Prozent höhere Preise für Benzin, Diesel und andere Kraftstoffe melden.
„Anhaltend hohe Energie- und Kraftstoffpreise erhöhen die Kosten entlang der gesamten Wertschöpfungskette, zehren an den Margen der Unternehmen und binden finanzielle Mittel, die für Innovationen und die Transformation dringend benötigt würden. Wer dauerhaft weniger verdient, investiert weniger. Die Politik muss deshalb alle Unternehmen schnell und dauerhaft entlasten, statt einzelne Branchen nur befristet zu unterstützen“, fordert Dr. Heusler. „Notwendig sind wettbewerbsfähige Energiepreise, beschleunigte Genehmigungsverfahren und ein spürbarer Abbau bürokratischer Belastungen. Nur so erhalten Unternehmen die notwendigen Spielräume für Investitionen und Transformation."
Neben den Kosten sehen die Unternehmen vor allem bürokratische Hürden als Hemmnis für den betrieblichen Klimaschutz. 63,6 Prozent nennen Bürokratie als größtes Hindernis. Auffällig ist auch die Entwicklung bei den betrieblichen Klimaneutralitätszielen. Erstmals nennt mit 51,2 Prozent eine knappe Mehrheit der hessischen Unternehmen kein eigenes Zieljahr. Im Vorjahr lag dieser Anteil noch bei 11 Prozent. Besonders stark ist der Rückgang beim Zieljahr 2045: Während dieses 2025 noch knapp die Hälfte der Unternehmen angab, sind es 2026 nur noch 6,5 Prozent. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass viele Unternehmen ihre Transformationsziele derzeit neu bewerten. Unsicherheit über künftige Kostenentwicklungen, regulatorische Anforderungen und wirtschaftliche Rahmenbedingungen erschwert langfristige Planungen.
Weiter verschärft hat sich zudem die Entwicklung bei Produktionsverlagerungen ins Ausland und Einschränkungen der Produktion im Inland: Mehr als jeder dritte hessische Industriebetrieb (37,6 Prozent) hat entsprechende Maßnahmen bereits umgesetzt, eingeleitet oder geplant. Im Vorjahr waren es noch rund 30 Prozent der Betriebe.
„Produktionsverlagerungen sind längst kein abstraktes Zukunftsrisiko mehr, sondern bedeuten den schleichenden Verlust von Wertschöpfung, Arbeitsplätzen, regionalen Lieferketten und Innovationskraft. Umso wichtiger ist es, die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts jetzt gezielt zu stärken, bevor aus Verlagerungsplänen endgültige Standortentscheidungen werden“, warnt Dr. Heusler.

Die vollständige Auswertung des IHK-Energiewende-Barometers 2026 für Hessen finden Sie rechts zum Download.