Gründungsbarometer Hessen 2026
Mehr Gründungen, mehr Beratung, mehr Handlungsbedarf
Wiesbaden, 22. Juli 2026
Hessen verzeichnet 2025 einen deutlich positiven Gewerbesaldo. 63.885 Gewerbeanmeldungen stehen 52.319 Abmeldungen gegenüber – ein Plus von 11.566 Unternehmen. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach Gründungs- und Nachfolgeberatung weiter. Das zeigt das aktuelle Gründungsbarometer Hessen, das auf Daten des Hessischen Statistischen Landesamts sowie Erhebungen der hessischen Industrie- und Handelskammern und Handwerkskammern basiert.
Die Entwicklung ist zunächst ein positives Signal für den Wirtschaftsstandort Hessen: Nachdem sich der Saldo zwischen Gewerbean- und -abmeldungen in den Jahren 2022 bis 2024 rückläufig entwickelt hatte, ist er 2025 wieder gestiegen. Die Zahl der Gewerbeanmeldungen nahm gegenüber dem Vorjahr um 5 Prozent zu, während die Gewerbeabmeldungen um 6,5 Prozent zurückgingen. Bundesweit stiegen die Anmeldungen um 6 Prozent, die Abmeldungen gingen um 1 Prozent zurück. Zugleich ist das Gründungsgeschehen vor dem Hintergrund der anhaltend schwachen Konjunktur differenziert zu bewerten:
„Der positive Gewerbesaldo zeigt, dass in Hessen weiterhin gegründet wird und viele Menschen bereit sind, unternehmerische Verantwortung zu übernehmen“, sagt Kirsten Schoder-Steinmüller, Präsidentin des Hessischen Industrie- und Handelskammertags (HIHK). „Gleichzeitig müssen wir das Gründungsgeschehen in der aktuellen wirtschaftlichen Lage realistisch einordnen: Gründungen entstehen teilweise auch aus schwierigen Beschäftigungsperspektiven heraus. Entscheidend ist deshalb, dass aus dem Schritt in die Selbstständigkeit ein dauerhaft tragfähiges Geschäftsmodell werden kann. Dafür braucht es weniger Bürokratie, schnellere Verfahren und bessere Finanzierungsmöglichkeiten.“
Dienstleistung, Handel und Bau bleiben die gründungsstärksten Branchen
Die meisten Gründungen entfallen 2025 erneut auf das Dienstleistungsgewerbe, den Handel sowie das Baugewerbe. Besonders stark ist das Gründungsgeschehen in den hessischen Großstädten und deren Einzugsgebieten. Im ländlichen Raum fällt die Gründungsintensität weiterhin niedriger aus.
Auch bei den Rechtsformen zeigt sich ein stabiles Bild: 79 Prozent der Gründerinnen und Gründer starten als Einzelunternehmen, 15 Prozent entscheiden sich für die GmbH. Damit bleibt das Einzelunternehmen der mit Abstand häufigste Weg in die Selbstständigkeit.
Gründungsvielfalt bleibt hoch – Frauenanteil stagniert
Einzelunternehmen wurden 2025 zu 37 Prozent von Frauen und zu 63 Prozent von Männern gegründet. Diese Verteilung ist seit Jahren weitgehend konstant. Aus Sicht der hessischen Kammern zeigt das, dass weiterhin gezielte Anstrengungen nötig sind, um mehr Frauen für unternehmerische Wege zu gewinnen.
Zugleich bleibt das Gründungsgeschehen in Hessen vielfältig: Rund 30 Prozent der Gründerinnen und Gründer von Einzelunternehmen haben eine nichtdeutsche Staatsangehörigkeit. Damit ist ihr Anteil am Gründungsgeschehen deutlich höher als ihr Anteil an der hessischen Gesamtbevölkerung von rund 19 Prozent. Besonders häufig gründeten 2025 türkische Staatsbürgerinnen und Staatsbürger.
Hohe Nachfrage nach Beratung bei Gründung und Nachfolge
Die hessischen Industrie- und Handelskammern sowie Handwerkskammern bleiben wichtige erste Ansprechpartner für Gründerinnen und Gründer. Im Jahr 2025 führten sie rund 21.150 Informations- und Beratungsgespräche im Bereich Gründung – mehr als im Vorjahr. Auch die Teilnehmerzahlen an Gründungsveranstaltungen stiegen leicht. Das Interesse an niedrigschwelliger Orientierung und Begleitung ist damit weiterhin hoch.
Auch im Bereich Unternehmensnachfolge nahm die Nachfrage zu. Die Zahl der Beratungen auf Verkäufer- und Käuferseite stieg 2025 auf 1.568 nach 1.399 im Vorjahr. Deutlich zugenommen haben zudem die Teilnehmerzahlen an Nachfolgeveranstaltungen.
„Gründung und Nachfolge sind zwei Seiten derselben unternehmerischen Erneuerung“, sagt Frank Dittmar, Präsident der Arbeitsgemeinschaft der Hessischen Handwerkskammern (ARGE). „Wer einen Betrieb gründet oder übernimmt, schafft Perspektiven, sichert Beschäftigung und stärkt die wirtschaftliche Substanz unseres Landes. Umso wichtiger ist es, diese Prozesse durch passgenaue Beratung, verlässliche Förderung und einfachere Verfahren wirksam zu unterstützen.“
Hessische Kammern fordern bessere Rahmenbedingungen
Mit dem Gründungsbarometer verbinden die hessischen IHKs und HWKs auch klare wirtschaftspolitische Erwartungen. Aus ihrer Sicht kommt es jetzt vor allem darauf an, Unternehmertum gesellschaftlich sichtbarer zu machen, ökonomische Bildung in Schule, Ausbildung und Studium zu stärken, Gründungs- und Nachfolgeprozesse bürokratisch zu vereinfachen und digitale One-Stop-Shop-Lösungen für Unternehmensgründungen zu etablieren.
„Wer mehr wirtschaftliche Dynamik will, muss Gründen und Nachfolge konsequent erleichtern“, so ARGE-Präsident Dittmar weiter.
„Hessen braucht schnellere, digitale und praxistaugliche Verfahren – und eine Politik, die Unternehmertum als zentralen Hebel für Innovation, Beschäftigung und Wettbewerbsfähigkeit versteht“, ergänzt HIHK-Präsidentin Schoder-Steinmüller.
Die vollständige Auswertung finden Sie unter: www.hihk.de/gruendungsbarometer2026
