Bildungsinfrastruktur modernisieren
HIHK fordert verbindlichen Investitionspfad für Hessens Schulen
7. September 2026
Sanierungsbedürftige Gebäude, veraltete Werkstätten und Defizite bei der digitalen Ausstattung bremsen vielerorts moderne Bildung. Der Hessische Industrie- und Handelskammertag (HIHK) fordert deshalb bei der Anhörung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) am 7. September in Frankfurt ein landesweites Schulbau-Monitoring sowie einen verbindlichen Investitionspfad von Land und Schulträgern. Ziel ist es, den Investitionsstau systematisch abzubauen und die Bildungsinfrastruktur zukunftsfest aufzustellen.
„Gute Bildung braucht gute Lernorte. Dazu gehören sichere, funktionale und zeitgemäß ausgestattete Schulgebäude. Wer Fachkräftesicherung und wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit stärken will, muss auch in moderne Schulgebäude und zeitgemäße Ausstattung investieren. Dafür brauchen wir Transparenz über den tatsächlichen Investitionsbedarf und verlässliche Planungen für dessen Abbau“, erklärt HIHK-Präsidentin Kirsten Schoder-Steinmüller.
Aus den hessischen IHK-Bezirken werden erhebliche Sanierungs- und Modernisierungsbedarfe gemeldet. Sie reichen von sanierungsbedürftigen Sanitäranlagen und energetischen Defiziten über unzureichenden sommerlichen Wärmeschutz bis hin zu veralteter Gebäude-, IT-, Labor- und Werkstattausstattung. Eine landesweit vergleichbare und amtlich festgestellte Gesamtsumme des Investitionsstaus liegt nach Kenntnis des HIHK bislang nicht vor.
Der HIHK schlägt deshalb ein hessenweites Schulbau-Monitoring vor. Erfasst werden sollten der bauliche Zustand, Raumkapazitäten und Ganztagsfähigkeit ebenso wie technische und digitale Ausstattung, Planungsstand, Kosten und vorgesehener Realisierungszeitraum. Bereits vorhandene Daten sollten dafür digital gebündelt werden. Zusätzliche Berichtsbürokratie gilt es zu vermeiden.
Besondere Bedeutung misst die Wirtschaft den beruflichen Schulen bei. Sie sind neben den Ausbildungsbetrieben der zweite zentrale Lernort der dualen Berufsausbildung. Werkstätten, Labore, Unterrichtsräume und digitale Infrastruktur müssen mit der technologischen Entwicklung in den Unternehmen Schritt halten. Bundesweit einheitliche Ausbildungsberufe benötigen zudem vergleichbare Rahmenbedingungen an den Berufsschulstandorten. Moderne berufliche Schulen tragen damit unmittelbar zur Attraktivität der dualen Ausbildung und zur Fachkräftesicherung bei.
Die Neuordnung der Berufsschulstandorte und die stärkere Bündelung von Berufen in Landesfachklassen und regionalen Schwerpunkten bringt zudem neue Anforderungen mit sich. Wenn Auszubildende für den Berufsschulunterricht weitere Wege zurücklegen müssen, steigt der Bedarf an temporären Wohnangeboten im Umfeld der Schulen. Land und Schulträger sollten deshalb gemeinsam dafür sorgen, dass an den betroffenen Berufsschulstandorten ausreichende Angebote entstehen.
Da die Schulträgerschaft überwiegend bei den Kommunen liegt, zugleich aber das Land Verantwortung für angemessene Bildungsbedingungen in allen Regionen trägt, fordert der HIHK einen langfristigen und verlässlich finanzierten Investitionspfad von Land und Schulträgern. Die notwendigen Investitionen sollten gemeinsam priorisiert, zeitlich geplant und finanziell hinterlegt werden. Dies ist auch mit Blick auf den Digitalpakt 2.0 erforderlich.
Geld allein löst das Problem jedoch nicht. Fehlende Planungskapazitäten in den Kommunen, komplexe Förder- und Vergabeverfahren, lange Abstimmungsprozesse sowie wechselnde Baustandards verzögern vielerorts die Umsetzung. Deshalb sollten insbesondere die kommunalen Planungs- und Umsetzungskapazitäten gezielt aufgestockt sowie Verfahren vereinfacht und Standards verlässlicher gestaltet werden.
„Wir brauchen einen Dreiklang: Transparenz durch Monitoring, Verbindlichkeit durch gemeinsam vereinbarte Investitionspläne und mehr Umsetzungskraft durch ausreichende Planungskapazitäten. Nur wenn diese drei Punkte zusammenkommen, können aus zusätzlichen Finanzmitteln tatsächlich moderne Schulen werden“, so Schoder-Steinmüller weiter
