China erhöht Wettbewerbsdruck auf hessische Unternehmen

Aktuelle Sonderumfrage der IHK-Organisation zum Wettbewerb mit China

3. September 2026
Im bisherigen Jahresverlauf hat sich die hessische Exportwirtschaft im Geschäft mit China vergleichsweise gut geschlagen. Während deutschlandweit im ersten Halbjahr 2026 die Ausfuhren nach China um 12,2 Prozent zurückgingen, legten die hessischen Ausfuhren im gleichen Zeitraum um 0,4 Prozent leicht zu und erreichten einen Wert von zwei Milliarden Euro. Dennoch geht die Bedeutung des China-Geschäfts für die hessischen Exporteure relativ zurück. Belegte die Volksrepublik auf der Rangliste der wichtigsten Exportmärkte der hessischen Wirtschaft im Jahr 2024 noch Rang sechs, reicht es im ersten Halbjahr 2026 nur noch für Rang neun. Gleichzeitig nehmen die Einfuhren aus China massiv zu - auch und gerade nach Hessen. Während sie im ersten Halbjahr 2026 deutschlandweit um 8,8 Prozent anstiegen, betrug der Zuwachs in Hessen 36,1 Prozent.
Diese Zahlen dokumentieren einen zunehmenden Konkurrenzdruck durch chinesische Wettbewerber auch für die hessische Wirtschaft. Das gilt sowohl für die Lage auf dem Exportmarkt China, auch wenn sich Unternehmen aus Hessen dort noch vergleichsweise gut schlagen, als auch auf dem Heimatmarkt Deutschland.
Die Ergebnisse einer aktuellen Sonderumfrage der IHK-Organisation zum Wettbewerb mit China zeigen, dass die hiesigen Unternehmen, den wachsenden Konkurrenzdruck sehr konkret wahrnehmen. So spüren 73 Prozent der befragten hessischen Unternehmen eine wachsende Konkurrenz durch chinesische Wettbewerber, was noch über dem deutschlandweiten Wert von 67 Prozent liegt. Unternehmen benennen dabei Subventionen, eingeschränkten Marktzugang sowie die Umgehung europäischer Regeln für Wettbewerb und Verbraucherschutz als bedeutendste Wettbewerbsverzerrungen von chinesischer Seite. Gleichzeitig beklagen sie aber auch hohe Arbeits- und Energiekosten, die Vielzahl bürokratischer Regulierungen und erhebliche Kostennachteile am Standort Deutschland.
Insgesamt nehmen die hessischen Unternehmen den zunehmenden Konkurrenzdruck durch chinesische Wettbewerber auf ihren Heimatmärkten im Inland (62 Prozent) und im EU-Binnenmarkt (66 Prozent) noch stärker wahr als auf Drittmärkten (45 Prozent) oder auf dem chinesischen Markt selbst (38 Prozent).
Diesem verstärkten Wettbewerbsdruck begegnen die hessischen Unternehmen auf unterschiedliche Weise. Nur wenige reagieren mit einem Rückzug aus dem betreffenden Geschäftsfeld (7 Prozent). Die überwiegende Mehrheit nimmt die veränderte Konkurrenzsituation an und sucht zukunftsorientierte unternehmerische Antworten. Dabei werden am häufigsten Maßnahmen wie Produktinnovation (69 Prozent), Kostensenkung (58 Prozent) und die verstärkte Suche nach neuen Absatzmärkten (45 Prozent) genannt. Auch die Kooperation mit chinesischen Partnern wird teilweise als Option eingeschätzt (32 Prozent).
Von der EU erwarten die Unternehmen in erster Linie ein einheitliches außenwirtschaftliches Auftreten (70 Prozent) und die Reduzierung strategischer Abhängigkeiten (61 Prozent). Stärkere Handelsschutzmaßnahmen etwa in Form höherer Zölle befürwortet hingegen nur gut ein Drittel der Unternehmen (35 Prozent). Auch eine Beschränkung des Marktzugangs zum EU-Binnenmarkt findet nur begrenzt Unterstützung (38 Prozent). Die Handels- und Investitionshürden abbauen wollen und erleichterte Innovationspartnerschaften wünschen sind jeweils 25 Prozent der befragten Unternehmen.
Grundsätzlich stimmen 57 Prozent der befragten hessischen Unternehmen stärkeren handelspolitischen Maßnahmen gegenüber China zu oder eher zu, selbst wenn ihr eigenes Unternehmen von negativen Konsequenzen betroffen wäre. 40 Prozent lehnen dies ab oder eher ab.
Dazu sagt Kirsten Schoder-Steinmüller, Präsidentin des Hessischen Industrie- und Handelskammertags:
„Der zunehmende Konkurrenzdruck durch chinesische Wettbewerber ist für die hessische Wirtschaft deutlich spürbar. Unsere Unternehmen sind aber gut aufgestellt und zeigen sich bereit, diese Herausforderung anzunehmen. Sie vertrauen vor allem auf ihre unternehmerische Agilität und weniger auf das Hochfahren handelspolitischer Schutzmauern. Gleichwohl gibt es eine klare Erwartungshaltung an die Politik: Die EU wäre gut beraten handelspolitisch geschlossen aufzutreten, Wettbewerbsverzerrungen auf chinesischer Seite klar zu benennen und handelspolitische Instrumente als Antwort auf solche Verzerrungen gegebenenfalls auch tatsächlich anzuwenden. Aber auch Deutschland ist dringend aufgefordert, durch entschlossene Reformen die Rahmenbedingungen am Standort rasch zu verbessern und die Unternehmen zu entlasten. Nur so kann die unternehmerische Agilität, die unsere Unternehmen auszeichnet, auch wieder im erforderlichen Umfang zur Wirkung kommen und den Erfolg auf heimischen wie internationalen Märkten langfristig sichern.“

Zur Methodik: An der deutschlandweiten Umfrage von DIHK und IHKs bei ihren Mitgliedern haben sich zwischen dem 20. Juli und dem 10. August 2026 insgesamt 1325 Unternehmen beteiligt, darunter 101 Unternehmen aus Hessen.