Neuer Schwung für den transatlantischen Handel

Donnerstag, 15.07.2021

Am heutigen 15. Juli tritt die deutsche Bundeskanzlerin eine Reise in die USA an, die auch für die international tätigen deutschen Unternehmen sehr relevant ist. Schließlich entfallen über 40 Prozent des Welthandels auf den Austausch der Europäischen Union mit den Vereinigten Staaten: 2020 betrug allein im Warenverkehr das Handelsvolumen zwischen den USA und der EU 555,5 Milliarden Euro. Die Exporte deutscher Betriebe in die USA beliefen sich 2020 auf 103,8 Milliarden Euro, was das Land zum wichtigsten deutschen Exportmarkt und drittgrößten Handelspartner macht.
Gleichzeitig erschweren jedoch Handelskonflikte den Austausch von Waren und Dienstleistungen. Unternehmen auf beiden Seiten des Atlantiks haben deshalb ein großes Interesse daran, dass wieder neuer Schwung in die Wirtschaftsbeziehungen kommt.

Wichtiger EU-USA-Gipfel

Am 15. Juni 2021 haben die europäischen Regierungschefs und US-Präsident Joe Biden beim ersten EU-USA-Gipfel seit 2014 eine engere Zusammenarbeit vereinbart – vor allem in den Bereichen Gesundheit, Digitalisierung, Klimaschutz und Handel. Für die deutschen Unternehmen besonders wichtig war die Beilegung des jahrzehntealten Airbus-Boeing-Handelskonflikts.
Bestehen bleibt jedoch der Konflikt um die gegenseitigen Stahl- und Aluminiumzölle – hier wurde eine Lösung bis Ende 2021 anvisiert. Derzeit belasten diese Zölle weiterhin den bilateralen Handel und verringern die Planungssicherheit deutscher Unternehmen im US-Geschäft. Auch protektionistische Maßnahmen wie "Buy America-Vorgaben" im Beschaffungsbereich oder der "Jones Act", der deutsche Unternehmen von Dienstleistungen im maritimen Bereich ausschließt, behindern den Marktzugang für deutsche Unternehmen in den USA.

TBI: Transatlantik im Fokus der deutschen Wirtschaft

Um die Beziehungen weiter zu verbessern, haben vier Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft – der Bundesverband deutscher Banken, der Bundesverband der Deutschen Industrie, der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen sowie der Deutsche Industrie- und Handelskammertag – die "Transatlantic Business Initiative" (TBI) gegründet, bereits einen Tag nach dem EU-USA-Gipfel.
Diese Plattform gibt deutschen Unternehmen die Möglichkeit, sich am Ausbau der transatlantischen Beziehungen mit den USA und Kanada aktiv zu beteiligen und Impulse für die Vertiefung der transatlantischen Kooperation zu erarbeiten. Schwerpunkte sind die Bereiche Handels- und Investitionspolitik, Energie- und Klimapolitik, Daten- und Digitalwirtschaft sowie Finanzpolitik.

Perspektiven für die transatlantische Zusammenarbeit

Nachdem die transatlantischen Beziehungen in den vergangenen Jahren einige Herausforderungen durchlebt haben, erwarten deutsche Unternehmen mehr Planungssicherheit und gleichzeitig den Abbau von Handelshemmnissen. Aus Sicht der deutschen Wirtschaft ist es jetzt wichtig, dass die Stahl- und Aluminiumzölle rasch fallen und neue Konflikte verhindert werden. Stabilisierend wären außerdem der Abschluss eines Industriezollabkommens und die Konzentration auf die gemeinsamen Herausforderungen im Welthandel.
Aus Sicht der Unternehmen hilfreich wäre zudem, wenn die USA auf Einreisebeschränkungen für Europäer verzichten und eine enge Kooperation auf Augenhöhe verstärken würden, um die Weltstandards von morgen gemeinsam zu setzen. Dies gilt gerade für die digitale und grüne Transformation der Wirtschaft, wofür der von der EU angeregte gemeinsame "Trade and Technology Council" eine wichtige Rolle spielen kann. Sollten die USA ihre Blockadehaltung in der Welthandelsorganisation aufgeben, wäre zudem eine Stärkung multilateraler Regeln im Welthandel möglich.
All dies würde Erleichterungen im transatlantischen Handel mit sich bringen, von denen insbesondere deutsche Unternehmen mit US-Geschäft profitieren könnten. Ihnen steht das Netzwerk der deutschen Auslandshandelskammern und Delegationen in Atlanta, Chicago, Detroit, Houston, New York, Philadelphia, San Francisco und Washington D.C. unterstützend zur Seite.