Hessische Wirtschaft in zunehmend schwierigem Fahrwasser

30. Oktober 2019 – Der Abwärtstrend der hessischen Konjunktur setzt sich im Herbst 2019 beschleunigt fort – und erfasst immer mehr Wirtschaftsbereiche. Die hessischen Unternehmen korrigieren dabei die Bewertung ihrer aktuellen Geschäftslage zum fünften Mal in Folge nach unten. Auch die Geschäftserwartungen für die kommenden Monate geben merklich nach. Das Konjunkturklima, das die Bewertung von Geschäftslage und Geschäftserwartungen zusammenfasst, fällt deutlich von 116 auf 106 Punkte. Damit liegt es erstmals seit sechs Jahren wieder unterhalb seines langjährigen Durchschnitts. Das geht aus dem jüngsten Konjunkturbericht des Hessischen Industrie- und Handelskammertages (HIHK) hervor. Der Bericht basiert auf den Antworten von rund 2.600 hessischen Unternehmen, die in Bezug auf Branche, Größe und Standort einen repräsentativen Querschnitt der Wirtschaft des Landes abbilden. 
„Hessens Wirtschaft befindet sich in zunehmend schwierigem Fahrwasser“, so Robert Lippmann, Geschäftsführer des HIHK. „Die internationalen Handelsstreitigkeiten und die abflachende Weltkonjunktur hinterlassen hierzulande immer tiefere Spuren. Die Exporterwartungen der hessischen Unternehmen befinden sich mittlerweile auf dem tiefsten Wert seit dem Höhepunkt der Finanzkrise im Jahr 2009.“
Die Korrekturen wirken sich auch negativ auf die Investitions- und Beschäftigungspläne der kommenden Monate aus. Stärkende Konjunkturimpulse sind in beiden Bereichen gegenwärtig nicht absehbar.
„Hessens Wirtschaft ist trotz der schwierigen Rahmenbedingungen erkennbar bemüht, das aktuelle Beschäftigungs- und Investitionsniveau zu halten. Gelingt dies, stabilisiert es die Inlandsnachfrage in Zeiten eines unsicheren außenwirtschaftlichen Umfeldes und stützt die Konjunktur in Hessen insgesamt“, so Lippmann.
Wichtig sei es daher, die deutschen und hessischen Unternehmen durch kurzfristige und spürbare Entlastungen bei Bürokratie- und Steueraufwand zu stärken, so Lippmann.
Nach etwas mehr als zwei Jahren stellt der Fachkräftemangel nicht mehr das Risiko Nummer eins für die hessischen Unternehmen dar. Vor dem Hintergrund der konjunkturellen Abkühlung haben das Risiko einer schwächeren Inlandsnachfrage und die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen zum Fachkräftemangel aufgeschlossen.
Die schwächere Inlandsnachfrage nennt etwas mehr als jedes zweite Unternehmen als Risiko (51 Prozent). Von den analysierten Branchen zeigt sich der Handel (61 Prozent) am besorgtesten, gefolgt von der Industrie (58 Prozent), den Dienstleistern (46 Prozent) und dem Baugewerbe (39 Prozent). Die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen werden ebenfalls von 51 Prozent der Unternehmen genannt. Hier zeigt sich vor allem die exportorientierte Industrie besorgt (53 Prozent).
„Die konjunkturellen Sorgen laufen aktuell dem Fachkräftemangel den Rang ab. Er bleibt allerdings für jedes zweite Unternehmen ein zentrales Risiko für die Entwicklung der eigenen Geschäftstätigkeit. Von einer generellen Entspannung der Fachkräfteproblematik kann also keinesfalls gesprochen werden“, so Lippmann.
Hintergrund:
Der Hessische Industrie- und Handelskammertag informiert in seinen Konjunkturberichten dreimal jährlich über die aktuelle Lage der hessischen Unternehmen und deren Erwartungen bezüglich der Entwicklung von Geschäftslage, Investitionen und Beschäftigung. Die Daten basieren auf den Angaben von rund 2.600 Mitgliedsunternehmen aus Industrie, Handel und Dienstleistungssektor, die in Bezug auf Branche, Größe und Standort einen repräsentativen Querschnitt der Wirtschaft des Landes abbilden.

Weiterführende Informationen:
Der aktuellen Ergebnisse der HIHK-Konjunkturumfrage stehen unter www.hihk.de/konjunktur kostenlos zur Verfügung.