IHK-Fachkräftereport 2019: Jede siebte Stelle könnte unbesetzt bleiben

23. Mai 2019 – “Fachkräfte-Engpässe sind bereits heute vielfach Realität. Mit dem demografischen Wandel verschärft sich dieses Problem immer weiter. Der Fachkräftemangel ist keine kurzfristige Erscheinung, sondern ein tiefgreifender Prozess, der unsere Wirtschaftsstruktur vor ernsthafte Herausforderungen stellt“, sagte Eberhard Flammer, Präsident des Hessischen Industrie- und Handelskammertages (HIHK), anlässlich der aktuellen Prognosen des IHK-Fachkräftemonitors für Hessen.
Demnach fehlen den Betrieben in Hessen derzeit 184.000 Fachkräfte. Bis zum Jahr 2030 wird ein weiterer Anstieg der Fachkräftelücke um rund 100.000 Personen prognostiziert. Jede siebte von den Unternehmen nachgefragte Stelle bliebe dann unbesetzt.
„Das Angebot an Arbeitskräften wird - ungeachtet der derzeitigen Zuwanderung - abnehmen. An dieser Herausforderung ändert auch eine konjunkturelle Abkühlung nichts. Demografie schlägt Konjunktur“, so Flammer. „Hessens Unternehmen fehlen dabei vor allem beruflich Qualifizierte. Sie machen bereits jetzt 88 Prozent der Fachkräftelücke aus – Tendenz steigend!“
Vor diesem Hintergrund gelte es, alle Beschäftigungspotenziale zu nutzen. Die inländischen Potenziale erschließe man vor allem durch mehr Investitionen in die Aus- und Weiterbildung. Die Stärkung der dualen Ausbildung und die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf sollten hierbei auch politische Priorität genießen. Die ausländischen Potenziale erreiche man dagegen durch die Einführung wirtschaftsfreundlicher Zuwanderungsregeln.
 „Der derzeit im Bundestag diskutierte Entwurf des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes zeigt gute Ansätze auf. Da die Konkurrenz um Fachkräfte auch zwischen den EU-Staaten zunimmt, rückt das EU-Ausland für die hessischen Unternehmen zunehmend in den Fokus. Die Öffnung in Richtung beruflich qualifizierter Fachkräfte aus diesen Ländern ist für Hessens Wirtschaft daher von wachsender Bedeutung“, so Flammer. Insbesondere im Hinblick auf transparente und bürokratiearme Prozesse seien aber noch Korrekturen am Entwurf notwendig.
Hintergrund:
Die Ergebnisse entstammen dem IHK-Fachkräftemonitor Hessen und der begleitenden Veröffentlichung „Fachkräftereport 2019“. Der IHK-Fachkräftemonitor ist eine Gemeinschaftsentwicklung der Industrie- und Handelskammern und der WifOR GmbH. Basierend auf Konjunkturumfragen und Langfristprognosen werden Schätzungen für das langfristige Arbeitsangebot und die langfristige Arbeitsnachfrage vorgenommen. Die Ergebnisse werden differenziert nach Berufsgruppen, Branchen, Regionen und Qualifikationsniveaus bis zum Jahr 2030 ausgewiesen.
Weiterführende Links:
Der aktuelle IHK-Fachkräftemonitor steht unter www.fachkraefte-hessen.de kostenlos zur Verfügung.
Der Fachkräftereport bietet vertiefende Analysen der Fachkräftesituation in Hessen und ist kostenlos unter www.hihk.de/fachkraeftereport verfügbar.