IHK-Bildungsumfrage 2018

Motivation und Interesse von Ausbildungsbewerbern sind wichtiger als Noten


13. September 2018 - Ein gutes Zeugnis, Teamfähigkeit, Belastbarkeit, gute Umgangsformen: Alles Eigenschaften, die scheinbar den perfekten Bewerber für eine Ausbildungsstelle ausmachen. Aber nur scheinbar, wie die Ergebnisse der aktuellen IHK-Bildungsumfrage belegen.
„Für hessische Unternehmen sind Motivation und Interesse die mit Abstand wichtigsten Eigenschaften, die Bewerber in eine Ausbildung mitbringen sollten“, sagt Johannes Bohn, Federführer Schule/Hochschule der hessischen Industrie- und Handelskammern (IHKs). „Wenn Interesse und Motivation bei einem Bewerber vorhanden sind, gelingt es den ausbildenden Unternehmen viel eher, Defizite im schulischen Basiswissen oder im Sozialverhalten während der Ausbildung aufzuarbeiten.“
Aus Sicht der IHKs werden Interesse und Motivation für eine Ausbildung insbesondere durch eine enge Verzahnung der beruflichen Orientierung mit der betrieblichen Praxis entwickelt. „Durch mehr Praxisbezug in der Orientierungsphase lassen sich Abbrecherquoten in Ausbildung und im Studium erheblich senken“, so Bohn.
Im Ergebnis zeigt die IHK-Bildungsumfrage das vielfältige Engagement der hessischen Unternehmen und ihre sehr hohe Bereitschaft, Schülern und Lehrkräften die Türen zu öffnen und diesen durch Praktika und Betriebserkundungen Einblicke in den betrieblichen Alltag zu geben. So kooperieren bereits heute viele Unternehmen mit Schulen, beteiligen sich vor Ort an Ausbildungsmessen oder schicken Auszubildende und Fachkräfte in die Schulen, um die Vorteile der dualen Ausbildung zu vermitteln.
„Eine gute Berufsorientierung in den Schulen vermittelt den Schülern zugleich, welche hervorragenden Karrierechancen eine auch duale Ausbildung bietet.“ In der Öffentlichkeit sei vielfach nicht bewusst, dass zahlreiche IHK-Weiterbildungsabschlüsse formal gleichwertig mit den akademischen Bachelorabschlüssen sind und in den Betrieben denselben Stellenwert besitzen.
Vor diesem Hintergrund fordert der Hessische Industrie- und Handelskammertag (HIHK) mit Blick auf die Landtagswahl 2018 einen systematischen Ausbau der beruflichen Orientierung, insbesondere auch an Gymnasien. „Gerade auch in der Lehrkräftequalifizierung muss die duale Ausbildung als attraktiver Bildungsweg vermittelt werden“, sagt Robert Lippmann, Geschäftsführer des HIHK. Zur Attraktivität der beruflichen Bildung gehören aus Sicht des HIHK auch eine zeitgemäße Ausstattung sowie die zielgerichtete Befähigung von Berufsschulen. „Die Digitalisierung verlangt eine leistungsfähige Infrastruktur, aber auch neue digital unterstützte Lernkonzepte und Unterrichtsmethoden. Für die Lehrer müssen daher entsprechende Aus- bzw. Fortbildungen angeboten werden“, so Lippmann.
Hintergrund zur IHK-Bildungsumfrage:
Um ein Meinungsbild der hessischen Wirtschaft zu schul- und hochschulpolitischen Fragen zu erhalten, befragen die hessischen Industrie- und Handelskammern regelmäßig anlassbezogen ihre Mitgliedsunternehmen. Die IHK-Bildungsfrage wurde im September zum sechsten Mal durchgeführt, an ihr haben sich 175 Unternehmen aller Größen und Branchen beteiligt.