HIHK-Frisch- und Abwassermonitor

Digitalisierung und Zusammenarbeit der Kommunen senken Frisch- und Abwasserpreise
17. Mai 2019 – Die durchschnittlichen Frisch- und Abwasserpreise in den hessischen Kommunen haben sich gegenüber dem Vorjahr kaum verändert, gleichzeitig bestehen aber weiterhin deutliche Unterschiede zwischen den hessischen Gemeinden – im Niveau wie in der Preisentwicklung. Zudem zeigt sich: Digitalisierung und interkommunale Zusammenarbeit können helfen, die Wasserpreise deutlich zu senken. Das sind die zentralen Ergebnisse des aktuellen Frisch- und Abwassermonitors des Hessischen Industrie- und Handelskammertages (HIHK), für den die Wasserpreise aller 423 hessischen Kommunen analysiert wurden.
Im hessenweiten Durchschnitt ist der Frischwasser-Preis gegenüber dem Vorjahr um lediglich 0,03 Euro je Kubikmeter gestiegen. Allerdings fällt der Preis in der teuersten Kommune Heidenrod (4,30 Euro je Kubikmeter) fünfmal so hoch aus, wie in der günstigsten Lorsch (0,91 Euro je Kubikmeter). Auch die Preisentwicklung kennt Extreme: Gegenüber 2018 ist der Frischwasserpreis je Kubikmeter in Rheinhardshagen um fast 37 Prozent gesunken, in Melsungen dagegen um 61 Prozent angestiegen.
Bei der Entwicklung der Abwasser-Preise ist ein ähnliches Muster zu beobachten: Der durchschnittliche Abwasserpreis ist gegenüber 2018 unverändert, zwischen der preisgünstigsten Kommune Alsbach-Hähnlein (1,17 Euro je Kubikmeter) und Kirtdorf (6,66 Euro je Kubikmeter) liegen aber deutliche Preisunterschiede. Den größten Rückgang gegenüber dem Vorjahr verzeichnet Birkenbach mit knapp 39 Prozent, den höchsten Anstieg verbucht Battenberg (Eder) mit gut 54 Prozent.
In der Praxis bedeutet das: Eine Großbäckerei würde heute unter sonst gleichen Bedingungen am teuersten Standort über 115.000 Euro mehr für Frisch- und Abwasser zahlen, als in der günstigsten Kommune. „Die Kosten für Frisch- und Abwasser können ein wesentlicher Standortfaktor sein. Diese Stellschraube sollte von den Kommunen noch stärker als bisher in den Blick genommen werden“, so HIHK-Geschäftsführer Robert Lippmann.
Zugleich belegt der IHK Frisch- und Abwassermonitor, dass Wasserpreise durchaus reduziert werden können: In den gut 35 Prozent der Kommunen, die nach eigenen Angaben bei der Frischwasserversorgung auf interkommunale Zusammenarbeit setzen, liegt der Wasserpreis durchschnittlich 0,05 Euro je Kubikmeter niedriger. Auch digitale Zähler scheinen preisdämpfend zu wirken: Gut jede vierte Kommune hat diese bereits im Einsatz, ihre Abwasserpreise liegen im Schnitt um 0,32 Euro je Kubikmeter niedriger, als der Durchschnittspreis insgesamt.
„Dort, wo interkommunale Zusammenarbeit und die Verwendung digitaler Zähler zusammen fallen, ergeben sich erwartungsgemäß die deutlichsten positiven Preiseffekte“, so Lippmann.  Gegenüber den Durchschnittspreisen sei der Kubikmeter Frischwasser in den betreffenden Kommunen durchschnittlich 15 Cent günstiger, bei Abwasser betrage der Preisunterschied durchschnittlich sogar 58 Cent je Kubikmeter. „Da bislang erst etwa jede zehnte Kommune auf die Kombination von digitalen Zählern und interkommunaler Zusammenarbeit setzt, gibt es noch einigen Spielraum, die Standortkosten zu senken. Dieser sollte gezielt ausgeschöpft werden.
Der IHK Frisch- und Abwassermonitor wird durch die WifOR GmbH, Darmstadt, im Auftrag des Hessischen Industrie- und Handelskammertages erstellt. Er ist unter http://wassermonitor-hessen.wifor.com/ kostenfrei verfügbar.