Fachkräfte brauchen Wohnraum: HIHK reagiert auf Kritik des BUND Hessen

14. Februar 2020 - Die Vorschläge der hessischen IHKs für mehr Wohnraum sorgen für Gesprächsstoff. Kürzlich meldete sich der hessische Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) zu Wort. Er lehne Forderungen „nach weiterem Flächenverbrauch“ ab und benennt nachhaltiges Wirtschaften als Ziel. Der Hessische Industrie- und Handelskammertag (HIHK) entgegnet, die Diskussion über den so genannten „Flächenverbrauch“ führe an der Sache vorbei. Fläche gehe nicht verloren, sondern werde lediglich auf eine bestimmte Art und Weise genutzt. Die Art der Nutzung sei nicht statisch, sondern verändere sich mit den Anforderungen der Zeit. Der HIHK weist zudem auf die Zahlen des Statistischen Landesamtes hin: Von den mehr als 2,1 Mio. Hektar der Gesamtfläche Hessens werden heute 4,3 % von Wohnflächen genutzt, 1,6 % von Gewerbe- und Industrieflächen. Demgegenüber machen Vegetationsflächen 82,5 % an der Gesamtfläche Hessens aus.
Nachhaltigkeit sei den hessischen Betrieben ein großes Anliegen. Sie bringe ökologische, soziale und wirtschaftliche Aspekte in Einklang. Aus Sicht des HIHK fokussiert sich der BUND Hessen in seinem Statement allerdings einseitig auf ökologische Ziele. „Unsere Unternehmen, besonderes in größeren Städten und im Ballungsraum FrankfurtRheinMain, haben große Probleme Fachkräfte zu finden. Wesentliche Gründe dafür sind der angespannte Wohnungsmarkt und stark gestiegene Mietpreise. Die Ausweisung von Bauland und Erleichterungen beim Wohnungsbau sind sowohl wirtschaftlich als auch im Sinne der Menschen, die eine Wohnung suchen, dringend geboten. Wir wünschen uns vom BUND auch Antworten auf diese Fragen“, hebt Hannah Sudholt, stellvertretende Sprecherin Standortentwicklung des HIHK, hervor. 
Der HIHK spricht sich zudem für eine differenzierte Betrachtung der ökologischen Entwicklungsziele aus. Mittlerweile sei die Artenvielfalt im städtischen Kontext oft höher als in intensiv landwirtschaftlich genutzten Gebieten. Sudholt unterstreicht: „Der Begriff ‚Flächenverbrauch‘ führt uns in die falsche Richtung. Wir müssen die Qualitäten der Flächen in den Blick nehmen. Nur ein Teil der aus Sicht des BUND Hessen ‚verbrauchten‘ Flächen wird tatsächlich versiegelt. Die anderen Flächen, wie z.B. Gärten und Parks, haben für Natur und Menschen große Qualitäten. Diese gilt es weiter zu entwickeln.“ 
Mit Blick auf die Zahlen zur Flächennutzung in Hessen ergänzt Sudholt: „Eine ‚Flächenverschwendung‘ durch Gewerbe und Industrie ist mit diesen Zahlen nicht zu belegen. Die hessischen Unternehmen setzen auf den effizienten Einsatz von Flächen. Wichtig ist, dass für die Wirtschaft ein quantitativ und qualitativ ausreichendes Angebot an Wohn- und Gewerbeflächen da ist.“ Der HIHK stehe für einen konstruktiven Dialog zu nachhaltiger Flächenentwicklung zur Verfügung.