HIHK-Ausbildungsumfrage

Herausforderungen auf dem Ausbildungsmarkt werden nicht kleiner


15. August 2019 – Zu ihren Erfahrungen mit dem Ausbildungsjahr 2018 hat der Hessische Industrie- und Handelskammertag (HIHK) die Unternehmen in Hessen befragt. Demnach konnten die Betriebe im vergangenen Jahr zwar trotz des demografischen Wandels und dem anhaltenden Trend zum Studium insgesamt mehr Ausbildungsverträge schließen. Auch im laufenden Jahr ist die Zahl der Ausbildungsverträge stabil. Aber: Ein Drittel der hessischen Unternehmen konnte 2018 nicht alle Ausbildungsplätze besetzen. Der Hauptgrund: es gibt keine oder keine geeigneten Bewerber – 75 Prozent der Betriebe, die Ausbildungsplätze nicht besetzen konnten, klagen, dass es keine geeigneten Bewerber gab. 20 Prozent gaben an, gar keine Bewerbung erhalten zu haben.
„Die Herausforderungen für die ausbildenden Betriebe bleiben“, fasst Dr. Brigitte Scheuerle, Federführerin Berufliche Bildung beim HIHK, die Ergebnisse der Ausbildungsumfrage zusammen. „Politik, Unternehmen, Kammern, Verbände und Schulen müssen ihre gemeinsamen Anstrengungen zur Stärkung der dualen Ausbildung fortsetzen“, fordert Dr. Scheuerle. 
Davon würden nicht nur die Unternehmen profitieren, die dringend beruflich qualifizierten Nachwuchs brauchen, sondern auch die Jugendlichen, denen mit einer dualen Ausbildung vielfältige Karrieremöglichkeiten offen stehen.
Die Ausbildungsumfrage verdeutlicht, vor welchen Herausforderungen die Wirtschaft in Hessen nach wie vor steht. Dabei sind die Unternehmen nicht untätig, sondern reagieren mit vielfältigen Maßnahmen wie der Erschließung neuer Bewerbergruppen wie Studienabbrechern (48%), einem verbesserten Ausbildungsmarketing (44%) oder dem Anbieten von Praktikumsplätzen (43%). Jeweils 22 Prozent setzen auf die Kooperation mit Hochschulen und die Integration von Flüchtlingen.
Die Unternehmen haben dabei klare Vorstellungen, was sich verändern muss, um das Ausbilden leichter zu machen: 47 Prozent der Befragten sagen, dass die Jugendlichen realistischere Berufsvorstellungen haben müssten, bevor sie eine Ausbildung starten. 45 Prozent wünschen sich zudem eine bessere Zusammenarbeit zwischen Schulen und Betrieben. Für ein Drittel liegt die Lösung in kurzen Entfernungen zur Berufsschule.
„Die Digitalisierung spielt für die hessische Wirtschaft eine zentrale Rolle – und damit auch in der Ausbildung. Azubis können gerade im Mittelstand wichtige Treiber für die digitale Transformation sein“, sagt Dr. Scheuerle. 
Dies spiegele sich auch in den Kompetenzen wider, die Unternehmen von ihren Azubis künftig zunehmend erwarten: IT-Kompetenzen stehen hier an erster Stelle. Dass deren Bedeutung steigt, sagen 78 Prozent der Befragten. Selbständiges Handeln werde zunehmend wichtig, meinen 60 Prozent, Kommunikationsfähigkeit steht an dritter Stelle.
Auch hier sind die Betriebe aktiv und bereiten ihre Auszubildenden gezielt auf das Arbeiten 4.0 vor: mehr als die Hälfte der Ausbildungsbetriebe bietet abteilungsübergreifende Azubi-Projekte an, 43 Prozent ermöglichen den Azubis passende Zusatzqualifikationen wie z. B. IT-Kenntnisse oder persönliche Fähigkeiten. Jeweils rund ein Viertel der Betriebe realisiert neue Formen der Wissensvermittlung und intensiviert die Zusammenarbeit mit der Berufsschule.
Hintergrund:
Die Ausbildungsumfrage wurde im Mai 2019 durchgeführt und bezieht sich auf das Ausbildungsjahr 2018. Es haben 985 hessische Unternehmen an der Umfrage teilgenommen.